AMK-Meldungen

Flurbiprofen: Risiko für Hypersensitivitätsreaktionen

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Berlin -

Apotheker, die ihren Patienten Flurbiprofen-haltige Rachentherapeutika empfehlen, sollten beachten, dass Hypersensitivitätsreaktionen auftreten können. Darauf weist die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) mit Bezug auf die gemeldeten Verdachtsfälle hin.

Die AMK erhielt für Flurbiprofen-haltige Arzneimittel aus der Selbstmedikation über einen Zeitraum von fünf Jahren 78 Berichte, von denen in 53 Fällen unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) beobachtet wurden. Bei 16 Patienten verliefen sie schwerwiegend. Unter den Fällen mit schwerwiegendem Verlauf waren drei Patienten mit vorbekanntem Asthma, ein Wespenstichallergiker und ein Patient mit Heuschnupfen.

Primär handelt es sich um Symptome einer Hypersensitivitätsreaktion. Die geschilderten UAW betrafen in absteigender Häufigkeit die Atemwege, die Haut, den Verdauungstrakt oder den Kreislauf. Die Reaktionen setzten überwiegend innerhalb des ersten Behandlungstages ein. Vier Patienten waren zum Zeitpunkt der UAW über 75 Jahre alt und trugen somit ein höheres Risiko für schwerwiegende Folgen durch die Reaktion. In 14 Fällen musste die Therapie sofort abgebrochen werden. Nur fünf Patienten erholten sich ohne körperliche Schäden.

Apothekern wird geraten, bei der Abgabe eine Nutzen-Risiko-Analyse durchzuführen und den Patienten auf die möglichen Risiken hinzuweisen. An Patienten, die NSAR nicht vertragen, sollten Flurbiprofen-haltige Halstabletten oder Sprays nicht abgegeben werden. Vorsicht ist auch geboten bei älteren Patienten sowie bei Patienten mit allergischem Asthma oder Allergien. Der Wirkstoff kann bei empfindlichen Patienten einen Anfall auslösen, da der Anteil an bronchokonstriktiv wirkenden Leukotrienen erhöht wird

Flurbiprofen zur Therapie von Entzündungen und Schmerzen der Rachenschleimhaut im Rahmen von Infektionen der oberen Atemwege darf ab einem Alter von 12 Jahren angewendet werden. Bei Bedarf kann alle drei bis sechs Stunden eine Tablette zu 8,75 mg Wirkstoff gelutscht werden. Dabei ist die Tageshöchstdosis von fünf Lutschtabletten nicht zu überschreiten. Sollte nach drei Tagen keine Besserung der Beschwerden zu verzeichnen sein, sollten die Betroffenen einen Arzt aufsuchen.

Der Wirkstoff hat schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften. Einen lokalanästhetischen Effekt hat Flurbiprofen nicht. Durch die Hemmung der Cyclooxygenase wird die Prostaglandin-Synthese unterbrochen; Schmerz und Entzündung verschwinden, Schwellungen gehen zurück. Der Wirkstoff kann im Mund ein Wärmegefühl, ein leichtes Brennen und ein Kribbeln verursachen. Ein Wirkeintritt ist nach etwa 30 Minuten zu erwarten und die Dauer beträgt etwa vier Stunden.

Flurbiprofen ist bekannt aus Dobendan direkt (Reckitt Benckiser), außerdem gibt es Generika wie Flurbiprofen Al (Aliud) oder Flurbihexal (Hexal). Laut APOSCOPE-Studie „Erkältungsmarkt 2018: Was das Apothekenteam empfiehlt“ gehören die entsprechenden Präparate zu den am häufigsten empfohlenen Produkten gegen Halsschmerzen.

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