Behandlungsfehler

Rufmordkampagne gegen Klinik dpa, 29.09.2008 10:23 Uhr

Münster - 

Die Affäre um 13 Todesfälle nach angeblichen Behandlungsfehlern in der Herzchirurgie des Universitätsklinikums Münster hat sich als Rufmordkampagne entpuppt. Eine vom Innovationsministerium in Düsseldorf eingesetzte Expertenkommission hat nach Sichtung der Patientenakten keinerlei Behandlungsfehler festgestellt, teilten Klinikum und Ministerium mit. Gleichzeitig hat der Lebensgefährte einer Herzchirurgin gestanden, Autor der anonymen Briefe zu sein, die die Affäre angefacht hatten. Die Ärztin war mit dem Klinikum in einen arbeitsrechtlichen Streit verwickelt und hatte vorübergehend Operationsverbot erhalten.

Die Medizinerin war im Juli 2007 an das Universitätsklinikum Münster gekommen. Weniger als ein halbes Jahr später, am 17. Dezember, wandte sie sich mit einer Liste von Unzulänglichkeiten an die Universitätsrektorin. Es kam zum Streit, der in der Trennung mündete. Die Ärztin will künftig am Herzzentrum Duisburg arbeiten.

Der Lebensgefährte der Herzchirurgin wollte nach eigener Darstellung mit den anonymen Briefen seiner Freundin unter die Arme greifen. Seine Partnerin habe davon nichts gewusst, beteuerte er. Die Frau bleibe aber zunächst Beschuldigte, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer. „Es gibt noch Ermittlungsbedarf.“ Die Staatsanwaltschaft hatte Anfang September bei einer Hausdurchsuchung belastendes Material im Haushalt des Paares sichergestellt. Darunter waren auch die anonymen Briefe.

Die öffentlich geführte Auseinandersetzung habe dem Universitätsklinikum Einnahmeausfälle in Höhe von sechs Millionen Euro beschert, sagte der kaufmännische Direktor, Christoph Hoppenheit. Netto betrage der Verlust drei Millionen Euro. Aufsichtsratschef Jörg Robbers kündigte Schadensersatzforderungen an.