Allergiker bekommen in Berlin mit einer App der Charité schnelle Informationen über den aktuellen Pollenflug. Eine Pollenfalle sammelt Blütenstaub und wertet die Daten aus, die nur wenige Stunden später in der App verfügbar sind, wie die Charité mitteilte. Untersucht werden die Werte von Ambrosia, Beifuß, Birke, Erle, Esche, Gräsern, Hasel und Roggen.
Anwender können in einem Tagebuch in der App Symptome, eingenommene Medikamente und die im Freien verbrachte Zeit notieren. So verstehen Betroffene ihren eigenen Heuschnupfen besser, wie es hieß. Gleichzeitig können sie laut Charité die Forscherinnen und Forscher unterstützen, wenn sie ihre Daten anonym spenden.
Die Anwendung namens Pollenius ist Teil eines Forschungsprojektes, das Allergiesymptome untersucht. Ziel soll demnach ein Modell sein, das Allergikern individuelle Vorhersagen liefert – etwa wie sich die Symptome entwickeln oder wann ein Aufenthalt im Freien eher vermieden werden sollte.
„Pollenflugangaben in anderen Wetter-Apps basieren auf Modellierungen, die oft ungenau sind“, erklärt Dr. Stephanie Dramburg, Leiterin des Forschungsprojekts „#berlinbreathing“ von der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie, Immunologie und Intensivmedizin der Charité.
„Die App zeigt die Pollenkonzentration, die Symptomschwere und die Einnahme von Medikamenten übersichtlich im Kurvenverlauf an“, so Dramburg. „Das kann für Betroffene sehr hilfreich sein, um ihre eigene Reaktion auf verschiedene Pollenarten besser kennenzulernen. Es unterstützt aber auch die allergologische Praxis bei der Diagnostik und Therapieoptimierung, wenn Betroffene dort ihre Pollenius-Verlaufsdaten ins Gespräch bringen.“
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler interessiert etwa, wann die Allergiesymptome besonders stark sind. „Wie stark jemand auf den Blütenstaub reagiert, hängt auch von der Beschaffenheit der Pollen ab“, erklärt die Studienleiterin. „Die wiederum wird von der Temperatur, dem Niederschlag, dem Feinstaub- und dem Ozongehalt der Luft beeinflusst. Außerdem kann sich Luftverschmutzung auf die Reaktion des Körpers auswirken, und auch individuelle Eigenschaften des Immunsystems bedingen, wie stark sich die Allergie bemerkbar macht.“
„Wir hoffen, dass viele Berlinerinnen und Berliner möglichst täglich ihre Symptome in der Pollenius-App festhalten und an uns senden“, betont Dramburg. „Das ist wichtig für die Qualität der Datenreihen, jeder Eintrag dauert weniger als eine Minute.“ Sobald das Modell, das mit Machinellem Lernen arbeitet, entwickelt ist, soll es in die App integriert werden.
Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Projektpartner ist das Zentrum Allergie und Umwelt in München.