Whitelabel für Videosprechstunden

Teleclinic: DocMorris umwirbt Krankenkassen

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Berlin -

Es war der einzige „Lichtblick“ im Jahresabschluss von DocMorris: Die Tochterfirma Teleclinic konnte nicht nur ein Umsatzwachstum und ein positives Teilbetriebsergebnis aufweisen, sondern auch neue Verträge mit Krankenkassen. Dabei ist der Anbieter von Videosprechstunden teilweise nur im Hintergrund tätig; das Management hofft, so einen Fuß in Tür zu bekommen.

Nach Firmenangaben machen rund 4000 Ärztinnen und Ärzte mit; bislang konnten demnach 3 Millionen Sprechstunden durchgeführt werden. Eine Kooperation gibt es unter anderem mit dem Adac, Rahmenverträge gibt es mit zahlreichen AOKen und BKKen sowie weiteren Krankenkassen.

Vor allem aber als Dienstleister von Kassen wie TK und DAK will sich das Unternehmen positionieren. Dabei stellt Teleclinic derzeit die eigene Plattform als „Whitelabel-Lösung“ zur Verfügung.

So heißt es etwa von der DAK: „Die DAK Online-Videosprechstunde ermöglicht es Versicherten, sich bequem von zu Hause aus ärztlich behandeln zu lassen, ohne lange Wartezeiten in Kauf nehmen zu müssen. Zugelassene Ärztinnen und Ärzte sind dabei täglich von 6 bis 24 Uhr über die Plattform unseres Partners TeleClinic per Videotelefonie erreichbar.“ Das Ganze funktioniere innerhalb der DAK.App, wo man die Videosprechstunde als integriertes Feature nutzen könne.

Seit Dezember betreut das Unternehmen auch die Online-Sprechstunde der TK. Die Kommunikation erfolgt auch hier ausschließlich digital über die TK-Doc-App. Teleclinic tritt dabei nicht in Erscheinung und wird auch auf der Website der Kasse nicht genannt.

Investoren machten Kasse

Teleclinic konnte 2024 seinen Umsatz auf 11 Millionen Franken verdoppeln, das Betriebsergebnis (Ebitda) lag bei 3 Millionen Franken. Angesichts steigender Nachfrage seitens Patienten, Ärzten und strategischer Partner gehe man von einem „starken Umsatz- und noch stärkeren Ertragswachstum“ für die kommenden Jahre aus, so das Management des Mutterkonzerns.

DocMorris, damals noch Zur Rose, hatte Teleclinic 2020 übernommen; 46,8 Millionen Franken zahlte der Konzern – 41,5 Millionen Franken in bar, den Rest in Aktien. Zwei Jahre später wurden 35 Millionen Franken vom Firmenwert abgeschrieben. Teleclinic schreibt seit Jahren rote Zahlen; zuletzt hatte sich ein Verlustvortrag von 42 Millionen Euro aufsummiert.

Gelohnt hat sich das Engagement bislang nur für die Seed-Investoren. Für zwei Millionen Euro hatte Digital Health Ventures (DHV) 2017 bei der dritten Finanzierungsrunde knapp 18 Prozent übernommen – der Fonds, über den unter anderem die Eigentümerfamilie des Phytoherstellers Dr. Willmar Schwabe, GHD-Gründer Andreas Rudolph und Reinhard Koop, Großaktionär bei CompuGroup Medical (CGM), bei Teleclinic investiert waren, konnte seinen Einsatz damit verdreifachen. Selbst für den Finanzinvestor ID Invest, der Ende 2018 für 7 Millionen Euro 26 Prozent der Anteile übernommen, hat sich der Hype um die Teleärzte ausgezahlt.

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