Geratherm steckt seit einem Jahr in der Krise. Der Verlust eines Großkunden sowie des Vertriebspartners in den USA haben zu Umsatzrückgängen geführt und das Unternehmen in die roten Zahlen gebracht. Die Belegschaft bleibt weiter in Kurzarbeit.
Noch hat Geratherm keine Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vorgelegt, stattdessen machte das Unternehmen bekannt, aufgrund der „derzeit weiterhin anhaltenden schwierigen Marktsituation“ die Kurzarbeit am Standort Geratal für die Fieberthermometerproduktion bis 31. Dezember verlängert zu haben. Betroffen ist auch die Tochterfrima Capillary Solutions, die das Glas für die Thermometer herstellt.
Man gehe von einer Stabilisierung der Marksituation zum Jahresende aus, so das Management. Schon seit 2023 ist von einem herausfordernden Umfeld die Rede mit „erheblichen Marktunsicherheiten, Kaufzurückhaltungen sowie sehr belastenden politischen Rahmenbedingungen und Preisdruck“, wie es damals hieß.
Das 1. Halbjahr 2024 verlief noch schlechter. Die Umsätze sanken um 27 Prozent auf 8,4 Millionen Euro, unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 1,4 Millionen Euro. „Wir arbeiten mit allen Kräften daran, zum Jahresende kein negatives Ergebnis mehr auszuweisen, auch wenn es sehr schwer werden dürfte.“
Als Ursachen genannt wurden der Wegfall eines Großkunden im Bereich Diagnostik, die plötzliche Geschäftsaufgabe des bisherigen Vertriebspartners in den USA sowie ein sehr milder Winter, der die Nachfrage gedämpft habe. So halbierte sich das Geschäft mit Fieberthermometern und Blutdruckmessgeräten, während bei Produkten zur Lungenfunktionsmessung ein Wachstum erzielt wurde. Hier gab es sogar Engpässe bei einigen Teilen. Der Ertrag wurde auch belastet durch eine MDR-Zertifizierung.
Zum Sparprogramm gehört seit einem Jahr auch Kurzarbeit für die noch rund 180 Köpfe starke Belegschaft. Zum Vergleich: 2020 erwirtschaftete das Unternehmen mit damals 230 Mitarbeitenden pandemiebedingt noch 27 Millionen Euro.
Mittlerweile wurde die Tochterfirma Apoplex verkauft, stattdessen beteiligte sich Geratherm mit 20 Prozent an Biothermare, einem Hersteller von Kalt/Warm-Kompressen mit patientierter Seegras-Gelfüllung.
Parallel wurde 2023 auch ein Aktienrückkaufprogramm durchgezogen, sodass von zuletzt 2200 noch rund 1500 Kleinaktionäre übrig sind. Allerdings zahlte Geratherm im Durchschnitt 7 Euro; mittlerweile ist der Kurs weiter auf 3 Euro abgerutscht. In Spitzenzeiten hatte es zweitstellige Kurse gegeben. Allerdings gibt es zwei Ankeraktionäre: Zwei Drittel der Aktien halten Aufsichtsratchef Gert Michael Frank sowie die Familie des Kronacher Unternehmers Joachim Wiegand (Wiegand-Glas).