Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) fordert die Bundesregierung auf, den bundesweiten Rollout der elektronischen Patientenakte (ePA) zu verschieben. Eigentlich war dieser auf Mitte Februar terminiert, inzwischen soll der Start im Laufe des Aprils erfolgen – nach positivem Ausgang der Testphase.
Während der Vertreterversammlung der KVB am vergangenen Freitag unter der Leitung von Dr. Petra Reis-Berkowicz gab es einen klaren Appell: Der flächendeckende Rollout müsse unbedingt verschoben werden, „um einen Fehlstart und damit Frust bei Ärzten und Psychotherapeuten sowie den Patienten zu vermeiden“, heißt es. Bisher können etwa 300 eingebundenen Praxen in den drei Testregionen mit der ePA arbeiten.
Echte Lasttests im laufenden Praxisbetrieb seien bisher noch nicht möglich gewesen. Teilweise fehlten immer noch die entsprechenden Hard- und Software-Komponenten. Richtig starten sollte die ePA aber erst dann, wenn wesentliche Qualitätskriterien, wie die reibungslose Einbindung in alle Praxisverwaltungssysteme (PVS) erfüllt seien, fordert die KVB.
Für die angemessene Information der Versicherten seien zudem nicht die Praxen zuständig, sondern die Krankenkassen. Diese kommen ihrem Auftrag aber nicht ausreichend nach, so die Kritik der Ärzt:innen. Hier gebe es „weiterhin massive Defizite“, insbesondere zu Widerspruchs- und Einschränkungsmöglichkeiten der ePA. Man appelliere daher einstimmig an das Bundesgesundheitsministerium (BMG), den bundesweiten Rollout zu verschieben.
Dabei seien die Ärzt:innen der Digitalisierung gegenüber keinesfalls verschlossen: Es gibt eine geplante Digitalisierungsoffensive, um die Kommunikation der KVB mit den Praxen zu erleichtern. Hausärztlichen Praxen sollen über das telemedizinische Projekt DocOnLine in Pflegeheimen entlastet werden; fünf bayerische Einrichtungen testen dieses bereits. Bei einem weiteren Pilotprojekt soll eine bessere Patientensteuerung erprobt werden: Patient:innen, die kein Notfall sind, können hier nach einer digitalen Ersteinschätzung mit dem Rettungswagen in die Praxen der Haus- und Fachärzte gefahren werden.