„Täter oft russischer Herkunft“

Mounjaro: Polizei warnt vor Rezeptfälschungen

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Berlin -

Seit Anfang 2024 ist die Einlösung gefälschter Rezepte in Deutschland bundesweit gestiegen. Die Fälschungen werden immer schwerer zu identifizieren und teilweise sind regelrechte Banden unterwegs, um teure Gewichtsabnahme-Medikamente oder starke Schmerzmittel zu ergaunern. Besonders stark betroffen sei Bayern, wie das Polizeipräsidium München kürzlich mitteilte und eine bundesweite Warnung aussprach.

Die Ermittlungen der Polizeibeamten deuten auf „eine russischsprachige Tätergruppe aus Osteuropa“ hin, heißt es in der Warnung. „Medikamente werden auf Deutsch telefonisch vorbestellt und mit gefälschten Rezepten abgeholt, oft mit Verständigung nur auf Russisch“, erklärt ein Sprecher. Und weiter: „Die Arzneien landen auf dem Schwarzmarkt, was ohne ärztliche Verordnung und Begleitung zu erheblichen Gesundheitsrisiken und hohe wirtschaftliche Schäden führt.“

So habe es allein bei der AOK Niedersachsen seit Anfang 2024 schon etwa 2800 Fälschungen gegeben, die einen Schaden von rund 880.000 Euro verursachten.

„Im Verlauf des Jahres 2024 betrafen die Rezeptfälschungen zunächst die Arzneimittel Ozempic und Trulicity, bevor sich gegen Ende des Jahres der Fokus auf das besonders teure Diabetes-Medikament Mounjaro verlagerte“, so der Sprecher. Um die Apotheken zu sensibilisieren, sollen Mitarbeiter:innen auf folgende Erkennungsmerkmale achten:

  • fiktive Patientennamen (oft russischer Herkunft)
  • abweichende Versichertennummern
  • fehlerhafte Praxisstempel
  • falsche zweistellige WOP (Wohnortprinzip)
  • bundesweit existierende Arztpraxen, aber Einlösung oft in ortsfremden Apotheken

Empfohlene Maßnahmen für Apotheken:

Die Polizei rät: „Fordern Sie eine Vorabübersendung des Rezeptes per E-Mail oder Fax. Denn die Täter verweigern dies meist, da das Risiko einer Entdeckung der Fälschung zu groß ist.“ Bei Verdacht im Rahmen von telefonischen Vorbestellungen, sollten Apotheken frühzeitig die Polizei mit einbinden. Kommen Tatverdächtige in die Apotheke, sollten gefälschte Rezepte einbehalten werden und die Polizei unauffällig über den Notruf 110 alarmiert werden. Wenn möglich, solle man „den Kunden in ein Gespräch verwickeln“, bis die Polizei eintreffe. Wenn es eine Videoüberwachung in der Apotheke gebe, solle diese gesichert werden, ebenso die Telefonnummern über die mögliche Täter die Medikamente telefonisch vorbestellen.

„Durch die Zusammenarbeit von Apotheken, Berufsverbänden, Krankenkassen und Polizei können Straftaten verhindert, finanzielle Schäden minimiert und Lieferengpässe für Diabetes-Patienten vermieden werden. Bitte unterstützen Sie uns durch Aufmerksamkeit und konsequente Umsetzung dieser Maßnahmen“, so der Aufruf der Polizei.

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