Ein syrischer Apotheker ist bereits zweimal bei der Kenntnisprüfung durchgefallen – trotz attestierter guter Leistungen. Er und viele andere ausländische Kollegen tauschen sich in Netzwerken über ihre Erfahrungen aus – und die Erlebnisse ähneln sich. Hinter den Kulissen vermutet sie eine systematische Benachteiligung ausländischer Apotheker. Die zuständige Bezirksregierung in Münster weist die Vorwürfe zurück.
Der 40-Jährige Apotheker lebt seit seiner Ankunft in Deutschland 2015 in Essen mit seiner Frau und zwei Kindern. Anders als seine Frau, die ihr Anerkennungsverfahren als Zahnärztin längst erfolgreich abgeschlossen hat, hat der Pharmazeut Angst vor dem nächsten Rückschlag. In Syrien und Jordanien studierte er Pharmazie und machte 2008 seinen Bachelor-Abschluss. „Ich habe in Syrien meine eigene Apotheke eröffnet und mein Masterstudium in Pharmazie begonnen, das ich wegen des Krieges 2015 abbrechen musste.“ Nach seiner Flucht nach Deutschland begann er umgehend, Deutsch zu lernen und erreichte rasch das notwendige Sprachniveau B2.
Im Jahr 2019 beantragte der Apotheker die Anerkennung seiner Approbation. Den bürokratischen Prozess hat er als langwierig und schwierig erlebt. Nachdem er 2021 die Fachsprachenprüfung bestand, erhielt er die Empfehlung, die Kenntnisprüfung abzulegen. „Die Vorsitzende der Prüfungskommission sagte mir, dass meine pharmazeutischen Kenntnisse ausgezeichnet seien und meine Fachsprache auf einem sehr hohen Niveau ist. Sie ermutigte mich, die Kenntnisprüfung schnell zu machen.“
Nach einer intensiven Vorbereitungsphase meldete sich der Apotheker Ende 2022 zur ersten Kenntnisprüfung bei der Kammer in Düsseldorf an. Trotz guter Leistung, insbesondere im Arzneimittelrecht, erhielt er vom Prüfungsvorsitzenden die Rückmeldung, dass er aufgrund „unzureichender Kenntnisse in der klinischen Pharmazie“ durchgefallen sei. „Ich fragte nach, was genau falsch war, aber er antwortete nur, dass meine Deutschkenntnisse schlecht seien. Doch ich hatte von den anderen Prüfern in anderen Bereichen sehr gute Bewertungen erhalten“, wundert sich der Apotheker. Sechs Wochen später erhielt er eine schriftliche Mitteilung von der zuständigen Bezirksregierung Münster. „Es wurden keine konkreten Details genannt.“
Trotz dieser Rückschläge meldete sich der Apotheker für die zweite Kenntnisprüfung an, die er Mitte 2024 ablegte. Erneut wurden seine Leistungen von allen Prüfenden als gut bewertet worden – mit Ausnahme des Prüfungsvorsitzenden. Von ihm erhielt er erneut die Mitteilung, dass er durchgefallen sei. „Es war nur eine einzige Frage, aber ich wurde wieder nicht zugelassen“, erklärt er resigniert. Sechs Monate später erhielt er auch für diese Prüfung eine schriftliche Mitteilung von der Bezirksregierung Münster, in der ihm erneut das Nichtbestehen mit „unzureichenden Kenntnissen in pharmazeutischer Praxis und Arzneimittelrecht“ mitgeteilt wurde – was seiner Meinung nach den Ergebnissen der ersten Prüfung widerspricht.
Der Apotheker betont: „Die Probleme betreffen ausschließlich die Apothekerkammer in Düsseldorf und den Prüfer, der in den letzten Jahren immer wieder bei vielen anderen Prüflingen zu Problemen geführt hat. Damit ist er nach eigener Aussage jedoch nicht allein: Seine Erfahrungen hat er in den sozialen Medien mit anderen ausländischen Apotheker:innen geteilt: „Wir tauschen uns in Gruppen ständig aus, um Erfahrungen zu teilen und uns bei Problemen im Anerkennungsprozess gegenseitig zu unterstützen.“ Zwar prüfe der besagte Prüfer nicht nur ausländische Kandidat:innen: „Allerdings betreffen alle mir bekannten Fälle ausschließlich ausländische Kolleg:innen“, betont der Apotheker.
Die Anzahl der Fälle, in denen Prüflinge bei dieser Person durchgefallen seien und anschließend bei anderen Prüfern bestanden hätten, übersteige 100. Die Fälle, in denen Prüflinge nach einem Durchfallen bei diesem Prüfer das Bundesland wechseln mussten, um die Prüfung bei einer anderen Apothekerkammer abzulegen, liegen bei über 30. Zwischen 5 und 10 Prüflinge seien bei diesem Prüfer dreimal durchgefallen und haben somit alle ihre Versuche ausgeschöpft – und können in Deutschland nicht mehr als Apotheker:in arbeiten. Dabei sei ihm wichtig zu betonen, „dass es sich bei diesen Zahlen um Schätzungen handelt. Die tatsächlichen Zahlen sind vermutlich deutlich höher, da dieses Thema sehr sensibel ist und nicht alle Betroffenen offen über ihre Erfahrungen sprechen.“
Besonders auffällig sei, dass seit 2018 immer wieder vornehmlich syrische Apotheker:innen bei ein und demselben Prüfungsvorsitzenden durchfallen – unlogischen und scheinbar unbegründet. Gehäuft käme dies in den letzten drei Jahren vor. Der Prüfer sei für ausländische Apotheker:innen in den letzten Jahren zu einem regelrechten Albtraum geworden. „Viele ziehen es mittlerweile vor, die Prüfung abzusagen, wenn sie erfahren, dass dieser Prüfer Teil der Prüfungskommission ist.“
Angesichts der wiederholten Rückschläge überlegt der Apotheker, den Rechtsweg zu beschreiten. „Ich plane, einen Anwalt einzuschalten, um gegen das Ergebnis vorzugehen. Aber es ist ein kostspieliger und möglicherweise wenig Erfolg versprechender Weg“, erklärt er. Auch ein Umzug in ein anderes Bundesland, um die Prüfung bei einem anderen Prüfer abzulegen und so seine Chance auf eine Anerkennung zu erhöhen, sei eine Option, die er in Erwägung ziehe. „Meine Hoffnung ist, dass Ungerechtigkeit letztendlich immer ein Ende hat.“
Die zuständige Bezirksregierung in Münster betont, dass sie zu anonymen Vorwürfen gegen einen Prüfer keine konkrete Aussage treffen könne. „Die Prüfer werden von den Apothekerkammern bestellt, wir haben auf die Auswahl keinen Einfluss.“ Gegen den benannten Prüfer lägen keine Beschwerden vor.
Der Apotheker widerspricht dieser Darstellung entschieden. „Ich habe mich persönlich bei der Bezirksregierung Münster über diesen Prüfer beschwert – und das über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg, insbesondere in den letzten sieben Monaten, und in mehreren Schreiben“, stellt er klar. Auch viele seiner Kollegen hätten sich mit Beschwerden an die Bezirksregierung gewandt und ihm mitgeteilt, dass sie Klagen gegen genau diesen Prüfer eingereicht hätten.