Bürokratische Hürden

Ausländisches Fachpersonal: Apotheker muss als PKA arbeiten

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Berlin -

Vor Kurzem trafen sich Inhaber Dr. Nojan Nejatian und der serbische Apotheker Nikola Bošković, um über Pharmazeut:innen im Praktikum (PhiP) zu sprechen. Da es in Hessen nach wie vor besonders schwierig für ausländische Apotheker:innen ist, Fuß zu fassen, ging es auch darum, wie die Prozedur zur deutschen Berufserlaubnis beschleunigt werden kann. „Es muss verhindert werden, dass studierte Apotheker aus dem Ausland, bei uns nur als PKA arbeiten können, weil die bürokratischen Hürden so groß sind.“

Dr. Nojan Nejatian bereitet Lana Bošković auf ihre zweite Prüfung vor.Foto: Heegbach-Apotheke

Während Nejatian, Inhaber der Heegbach-Apotheke in Erzhausen, als Delegierter des Hessischen Apothekerverbandes fungiert, setzt sich Bošković deutschlandweit für ausländische Apothekerinnen und Apotheker ein. „Bei unserem Treffen waren die Approbierten Milica Kuzmanović und Mladen Nedić dabei“, so Nejatian. Ebenso Edo Hadžimurtović, er warte noch auf seine Berufserlaubnis als Apotheker und arbeite derzeit als PKA. „Er wartet seit einem Jahr und ist mittlerweile so frustriert, dass er einen Anwalt eingeschaltet hat“, so Nejatian.

„Obwohl er in Serbien Pharmazie studiert hat, muss er in Deutschland als PKA arbeiten. Er wartet meiner Meinung nach zu Unrecht auf seine Anerkennung.“ Hadžimurtović habe sogar überlegt das Bundesland zu wechseln. „Damit der Prozess beschleunigt wird und er als Apotheker arbeiten kann.“

Beteiligt war auch Lana Bošković, sie bereitet sich gerade auf die Fachsprachprüfung vor. „Auch hier dauern die Prozesse viel zu lange. Sie musste schon vier Monate nur auf den Termin zur Anerkennung warten“, so Nejatian. „Bei uns in Hessen ist das eine Herausforderung.“ Man müsse sehr viel Geduld mitbringen. „Während ich warte, lerne ich bereits für die zweite Prüfung, um keine Zeit zu verlieren.“ Hätte sie keine Familie in Hessen, würde sie aufgrund der zähen Situation einfach das Bundesland wechseln. „Das ist aber mit zwei Kindern nicht so einfach“, so Bošković. Um fit für die nächste Prüfung zu sein, besucht sie die Heegbach-Apotheke und begleitet Beratungsgespräche gemeinsam mit Nejatian. „So können wir sie gut vorbereiten.“

Eines der großen Themen am Tisch war das PhiP-Gehalt: „Es gab Gehaltsverhandlungen für PTA, PKA und Apotheker:innen, aber nicht für die PhiP“, erklärt Nejatian. Dabei seien Pharmazeut:innen in Weiterbildung oder unter Aufsicht auch nicht ausgenommen. Die Bezahlung sei nach wie vor nicht angemessen. Denn: PhiP haben im Praktikumsjahr bereits vier Jahre Studium hinter sich, würden aber eher wie Praktikanten vergütet. Laut Adexa lag die Ausbildungsvergütung für Pharmazie-Praktikant:innen zuletzt bei durchschnittlich 1040 Euro brutto.

Katastrophale Situation in Hessen

Nach wie vor schwierig sei auch das Prüfungsthema in Hessen: „Es dauert in diesem Bundesland einfach zu lange, deswegen möchten wir gerne Forderungen stellen, um den Prozess zu beschleunigen“, betont Nejatian. „Ich habe diese Forderungen auch mit in die Mitgliederversammlung der Landesapothekerkammer genommen“, erklärt der Delegierte des Hessischen Apothekerverbandes. „Die Delegiertenversammlung der Landesapothekerkammer Hessen spricht sich dafür aus, den Weg ausländischer Kolleginnen und Kollegen auf den hessischen Arbeitsmarkt zu erleichtern, zu beschleunigen und qualitativ zu verbessern“, so Nejatian. Aktuell dauern Anerkennungsprozesse zu lange und sind nicht planbar, hieß es auf der Versammlung. „Dies führt zu einem Standortnachteil hessischer Apotheken“, macht Nejatian deutlich.

Das Problem ist ein hessischer Dauerbrenner: Nachdem das Landesamt für Gesundheit und Pflege (HLfGP), seit Anfang 2023 in das Hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt (HLPUG) integriert wurde, laufen Anträge ins Leere, niemand ist telefonisch erreichbar. Viele ausländische Fachkräfte warten in Hessen seit Monaten händeringend auf die Anerkennung ihrer Fachsprachenprüfung, auf Prüfungstermine oder die Ausstellung ihrer Approbationsurkunde.

Denn um in Deutschland als Apothekerin oder Apotheker arbeiten zu dürfen, muss zunächst eine Fachsprachenprüfung bestanden werden. Diese ist das Ticket um die entscheidende Kenntnisprüfung ablegen zu dürfen. Ohne diese können die Betroffenen nur bis zu zwei Jahre in Apotheken arbeiten. Meist dauert diese Prozedur jedoch darüber hinaus, schlimmstenfalls droht dann die Abschiebung.

Ausländische Fachkräfte unterstützen

Ein ebenso wichtiges Thema im Gespräch war die Organisation eines Fachsprachenkurses für ausländische Apotheker und Apothekerinnen. „Hier geht es um Fachpersonal, das noch im Ausland ist“, erklärt Nejatian. „Diese Menschen wollen gerne zu uns nach Deutschland kommen und wir wollen sie bestmöglich dafür vorbereiten. Das könnte viele Probleme der Eingliederung schon vorab lösen.“ Diese Kurse könnten dann im jeweiligen Land vor Ort stattfinden: „Und zwar online von Deutschland aus, so sind die Teilnehmer:innen gewappnet.“

Mit dem Ziel, Kolleginnen und Kollegen bei der Integration in Deutschland zu unterstützen, meldete Bošković im August 2023 ein Gewerbe an, um Apotheker aus dem Ausland – insbesondere aus den Balkanländern – auf ihrem Weg nach Deutschland noch intensiver zu begleiten. Für sein Engagement gewann er 2024 den VISION.A-Award in Silber in der Kategorie „Beste Kampagne: Nachwuchs & Integration“.

„Sollten alle an einem Strang ziehen“

Zum Treffen im Darmstadt sagt er: „Ich hoffe, dass die Adexa uns, wie auch alle anderen Berufsgruppen, aktiv unterstützt. Sollten wir nicht alle an einem Strang ziehen? Letztlich geht es um eine bessere Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln durch die Apotheken-vor-Ort. Gemeinsam mit Dr. Nejatian haben wir einige spannende Ideen entwickelt. Ich hoffe, dass daraus positive Veränderungen entstehen.“

Gerade in Baden-Württemberg und Hessen seien die Probleme besonders groß. „Die Behörden lassen sich viel Zeit bei der Bearbeitung der Anerkennungsanträge, und auf Prüfungstermine wartet man oft mehrere Monate. Gleichzeitig gibt es unzählige Stellenanzeigen, und manche Apotheken müssen schließen, weil sie keine Fachkräfte finden“, beklagt Bošković.

„Wir haben schlicht nicht genug Nachwuchs“, betont auch Nejatian. „Deswegen müssen wir uns darauf einrichten, wie wir Fachpersonal aus den Drittstaaten bei uns in Deutschland so schnell wie möglich arbeitsfähig bekommen.“ Schwierige Prüfungshürden, vor allem im bürokratischen Bereich müssen abgebaut werden, appelliert er.

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