Berlin - Der Vorstandsvorsitzende der Celesio AG, Dr. Fritz Oesterle, hat auf einer Veranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen in Berlin die Beratungsqualität der Apotheken kritisiert. Er wünsche sich von der Politik, dass in Zukunft die Anforderungen an die Qualität konsequenter umgesetzt würden. Mit Hinweis auf die Beratungserfordernis erklärte Oesterle: „Ich möchte einmal wissen, wie oft Sie beraten werden, wenn Sie eine oder zwei Packungen Thomapyrin kaufen. Meist erhalten Sie die doch ausgehändigt ohne einen Hinweis auf Nebenwirkungen.“
Gleichzeitig zeigte sich der Konzernchef verwundert, dass die Apothekerverbände ihre Mitglieder immer noch dazu auffordern müssten, den Patienten in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit zu stellen. Er habe angenommen, dies sei längst eine Selbstverständlichkeit. Nach Meinung des Konzernchefs haben es Kettenapotheker ohnehin leichter als ihre selbstständigen Kollegen, Qualität umzusetzen: Laut Oesterle gibt es einige Apotheker, die ihre Schuldenlast dazu veranlasst, nach Wegen zu suchen, um ihr Einkommen aufzubessern. Wer sich dagegen auf die seiner Meinung nach abzusehenden Entwicklungen einstelle, werde eine „wunderbare Zukunft“ haben: „Es ist doch egal, ob Sie vom Kapital beherrscht werden oder von Ihrer Ehefrau.“
Auch für die Patienten könne sich die Versorgung durch Ketten durchaus auszahlen. Denn an der inneren Einstellung ließen es die Kettenapotheker nicht missen. Dagegegen überließen viele selbstständige Apotheker nachmittags ihre Apotheke ihren Stellvertretern, um selbst Motorrad zu fahren.
Patrick Hollstein, Freitag, 26. Oktober 2007, 17:10 Uhr
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