zoom Verschlecherte Versorgung: In Großbritannien klagen Apotheker über Lieferprobleme der Hersteller. Foto: Elke Hinkelbein

Verschlecherte Versorgung: In Großbritannien klagen Apotheker über Lieferprobleme der Hersteller. Foto: Elke Hinkelbein

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Apotheker klagen über Liefernotstand

Berlin  -  In Großbritannien haben die Exklusivvertriebsmodelle (Direct to pharmacy, DTP) der meisten Pharmakonzerne in Kombination mit einem erhöhten Exportvolumen offenbar zu einer dramatischen Verschlechterung der Bezugssituation in den Apotheken geführt. Bei einer Umfrage der britischen Apothekerzeitung gaben 78 Prozent der Befragten an, dass Produkte von Herstellern mit DTP-Modellen schwieriger zu beschaffen seien als in der Vergangenheit.

An der Umfrage hatten 150 Apotheker teilgenommen. Nach Einschätzung der Pharmazeuten sind aktuell zwischen fünf und 50 Produkte nicht über den Großhandel zu beziehen. Der Mehraufwand ist groß: Nur 10 Prozent der Pharmazeuten wickeln die Direktbestellungen innerhalb einer Stunde pro Woche ab, knapp die Hälfte der Apotheker veranschlagt zwei Stunden. 39 Prozent beziffern den wöchentlichen Mehraufwand auf bis zu fünf Stunden.

Die Direktlieferung dauert in der Regel zwischen 1 oder 2 Tagen (25 Prozent) und 3 Tagen (55 Prozent). 89 Prozent der Apotheker gaben an, „sehr besorgt“ um die Versorgung der Patienten zu sein, die restlichen 11 Prozent waren zumindest „teilweise besorgt“. 85 Prozent der Apotheker hatten schon einmal ein Rezept vom Arzt ändern lassen, weil ein bestimmtes Arzneimittel nicht verfügbar war.

Am schwierigsten zu beschaffen sind Xenical (Roche), Zyprexa (Lilly), Cipralex (Lundbeck), Persantin (Boehringer), Keppra (UCB), Cellcept (Roche), Aprovel/CoAprovel (Sanofi), Femara (Novartis) und Cymbalta (Lilly).

In Einzelfällen berichteten die Apotheker über teilweise dramatische Zwischenfälle infolge von Lieferverzögerungen: Ein Patient bekam Panikattacken, während er auf das Antidepressivum Cipralex warten musste, bei einem Patienten verschlechterte sich der Blutdruck, weil Aprovel nicht lieferbar war. Eine Patientin musste auf die Therapie mit dem Krebsmittel Femara warten, ein Patient wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, weil der Blutverdünner Plavix nicht rechtzeitig beschafft werden konnte.

Die Umfrage löste zahlreiche Reaktionen aus: Die Hersteller wiesen einen Zusammenhang mit ihren DTP-Modellen von sich, vielmehr würden viele der auf den Markt gebrachten Arzneimittel durch die Apotheken aufgrund der Pfundschwäche ins Ausland exportiert. Apothekerverbände und Großhändler sprachen von überlappenden Faktoren. Verschiedene Politiker kündigten nach der Sommerpause Maßnahmen an.

Patrick Hollstein, Donnerstag, 27. August 2009, 20:30 Uhr

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